Handelskonflikte, Inflation und Bitcoin: Wie neue Zölle für Bitcoin werben
- Jonathan Buck
- vor 2 Stunden
- 7 Min. Lesezeit
Eskalation im globalen Handelskonflikt: Neue Zölle zwischen USA, China und EU
Aktuelle Entwicklung: In den letzten Wochen hat sich der globale Handelskonflikt dramatisch verschärft. Die USA haben ein umfangreiches Zollpaket gegen zahlreiche Handelspartner geschnürt. Beispielsweise werden Waren aus der EU in den USA nun mit 20 % Zoll belegt. Auch gegen China greifen massive Abgaben: Zusätzlich zu bereits bestehenden Aufschlägen von 20 % kündigte Washington weitere 34 % Importzoll auf chinesische Güter an – damit summiert sich der Aufschlag auf chinesische Produkte auf effektiv 54 %. Als Reaktion hat China Vergeltungszölle von 34 % auf alle US-Waren angekündigt, gültig ab dem 10. April. Diese neuen Zölle betreffen nicht nur die Hauptakteure USA und China: Selbst enge US-Verbündete sind einbezogen (etwa Israel mit 17 % Zoll) und andere Länder wie Vietnam müssen sogar mit Zollsätzen bis zu 46 % rechnen.

Dieses Hin und Her aus Strafzöllen stellt eine neue Stufe im Handelsstreit dar. Die Regierung in Peking bezeichnete die US-Maßnahmen als ungerechtfertigt und reichte Beschwerde bei der WTO ein. In Europa reagiert man alarmiert: EU-Handelskommissar Maros Šefčovič kritisierte die US-Zölle als „schädlich und ungerechtfertigt“. Die EU berät bereits über Gegenmaßnahmen, um geschlossen auf den US-Schritt zu reagieren. Die Stimmung an den Finanzmärkten spiegelt die Angst vor einer Eskalation wider – weltweit sackten Börsenkurse ab, und Ökonomen warnen vor den Folgen. Sogar der Chef der US-Notenbank (FED), Jerome Powell, rechnet aufgrund der neuen Handelshürden mit „höherer Inflation und langsamerem Wachstum“. Die Inflationsgefahr und Rezessionssorgen durch diesen Zollstreit sind zu einem beherrschenden Thema der Wirtschaftspolitik geworden.
Teurere Importe: Wie Zölle die Inflation anheizen und Währungen belasten
Zölle wirken letztlich wie Steuern auf Importgüter – und die Rechnung zahlen meist Verbraucher und importierende Unternehmen im Inland. Werden ausländische Waren künstlich verteuert, steigt der Preis dieser Produkte im Heimatmarkt. Für Unternehmen und Verbraucher werden Importe kostspieliger, die Inflation steigt, Produktion und Konsum verteuern sich. Mit den nun verhängten Importabgaben verteuert die US-Regierung beispielsweise bewusst ausländische Produkte auf dem amerikanischen Markt. Das Ziel dahinter mag sein, heimische Hersteller zu schützen, doch im Alltag bedeutet es, dass alltägliche Waren von Autos bis Elektronik für Konsumenten merklich teurer werden. Die Verbraucherpreise ziehen an – eine Entwicklung, die bereits in der Vergangenheit bei Schutzzöllen zu beobachten war.
Die Erfahrung zeigt, dass solche Handelsbarrieren einen inflatorischen Effekt haben. Offizielle Stellen warnen entsprechend: So schätzt der Internationale Währungsfonds (IWF), Zölle seien ein erhebliches Risiko für die Preisstabilität. Ähnlich mahnt die Europäische Zentralbank, dass protektionistische Maßnahmen den Importpreis-Index erhöhen und damit die allgemeine Teuerung befeuern können. FED-Chef Powell brachte es auf den Punkt, indem er infolge der neuen US-Zölle mit spürbar anziehender Inflation rechnet.
Auswirkungen auf Währungen: Steigende Importpreise und höhere Inflation können sich auch auf Wechselkurse auswirken. Im Grundsatz gilt: Ein Land mit höherer Inflation bei sonst gleichen Bedingungen sieht langfristig oft eine Abwertung seiner Währung – denn die Kaufkraft des Geldes sinkt. Allerdings spielen kurzfristig auch andere Faktoren hinein. Interessanterweise führte die letzte große Zollrunde 2018/19 zunächst zu einer Aufwertung des US-Dollar gegenüber vielen Währungen: In jener Phase stieg der handelsgewichtete Dollar-Index (DXY) zeitweise um 10 % an. Gründe dafür waren u. a. Kapitalflucht in den als sicher geltenden Dollar sowie Zinserhöhungen der FED im Jahr 2018. Zeitgleich geriet die chinesische Währung unter Druck – der Renminbi (Yuan) wertete 2018 um etwa 10 % ab und überschritt die symbolische Marke von 7 Yuan pro US-Dollar (dem schwächsten Wert seit 11 Jahren). China ließ den Yuan gezielt fallen, um die eigenen Exporte trotz Zöllen günstiger zu machen. Auch der Euro gab in jenem Zeitraum um bis zu 10 % nach, da Europa unter der globalen Unsicherheit litt.
Langfristig sind sich Ökonomen jedoch einig, dass Währungen vor allem den Inflationstrend eines Landes widerspiegeln. Kurzfristige Kapitalflüsse und Zinsdifferenzen können zwar zu Über- oder Unterbewertungen führen, doch über mehrere Jahre gleicht der Devisenmarkt meist Unterschiede in der Kaufkraft aus. Ein Beispiel: Die Schweiz hatte in den letzten Jahrzehnten konstant niedrigere Inflation als die USA oder die Eurozone. Entsprechend tendierte der Schweizer Franken (CHF) dazu, gegenüber Dollar und Euro an Wert zu gewinnen. Eine Analyse zeigt, dass die nominale Aufwertung des Frankens seit 1990 nahezu vollständig durch die geringere Schweizer Inflation erklärbar ist. Anders ausgedrückt: Hätte der Wechselkurs sich nicht bewegt, wären Schweizer Produkte über die Jahre immer billiger geworden als ausländische – dieser Wettbewerbsvorteil wurde jedoch durch den steigenden Franken ausgeglichen. Für den US-Dollar bedeutet das im Umkehrschluss: Höhere US-Inflation schwächt auf Dauer den Dollar gegenüber stabileren Währungen. Tatsächlich hat der Dollar seit dem Ende des Goldstandards 1971 rund 80 % (!!!) an Wert gegenüber dem Franken verloren – ein Spiegelbild der unterschiedlichen Geldwertstabilität.
Leidtragende der Handelsstreit-Politik: Verbraucher und Sparer
Die aktuellen Zollmaßnahmen bestätigen abermals, was Wirtschaftsexperten immer wieder betonen: In Handelskriegen gibt es auf lange Sicht nur Verlierer. Regierungen mögen hoffen, heimische Industrien zu schützen, doch am Ende trifft die Rechnung vor allem die Verbraucher. Wenn importierte Waren durch Zölle teurer werden, zahlen die Haushalte faktisch die Zeche in Form höherer Preise. Die Inflation frisst an der Kaufkraft der Bürger – ihr Geldbeutel wird belastet wie durch eine Steuer. Konsumenten können sich für ihr Einkommen weniger leisten, was einer schleichenden Enteignung gleichkommt. Ursula von der Leyen, Präsidentin der EU-Kommission, warnte jüngst, die neuen US-Zölle würden "auch den Verbraucherinnen und Verbrauchern weltweit schaden" und diese Auswirkungen wären sofort spürbar.
Nicht nur direkte Konsumenten von Importwaren sind betroffen. Inflation wirkt umfassend: Steigen die Preise vieler Güter, verlieren auch Ersparnisse an Wert. Sparer, die ihr Geld in Euro, Dollar oder Yuan halten, sehen dessen Kaufkraft durch solche politisch verursachten Teuerungsschübe schwinden. Selbst wenn Löhne mit Verzögerung steigen, hinken sie der Inflation oft hinterher – real bleibt weniger übrig. Vertrauen in die Währung kann wird dadurch erschüttert, insbesondere wenn die Inflationserwartungen steigen. Zentralbanken stehen vor dem Dilemma, einerseits die Konjunkturabkühlung durch den Handelsstreit abzufedern, andererseits aber gegen den Zoll-bedingten Preisdruck ankämpfen zu müssen.
Kurzum: Die Hauptleidtragenden dieser Politik sind Verbraucher und Sparer, denen reale Kaufkraft entzogen wird. Inländische Produzenten mögen kurzfristig profitieren, wenn Konkurrenzprodukte aus dem Ausland teurer werden. Doch auch sie sehen steigende Kosten für Vorleistungen und einen Nachfragerückgang, wenn Konsumenten ihr Verhalten anpassen. Ein Handelskrieg ist daher letztlich ein Wohlstandsvernichter für alle Seiten – er nagt an der Substanz des Geldes, das wir täglich verwenden.
Bitcoin als Gewinner? Kryptowährung als inflationsresistente Alternative
Vor diesem Hintergrund rückt ein möglicher „Profiteur“ in den Fokus: Bitcoin. Die dezentrale Kryptowährung wurde einst als Alternative zum staatlichen Geldsystem erdacht – mit dem expliziten Versprechen, inflationsresistent zu sein. Tatsächlich ist die Geldmenge bei Bitcoin algorithmisch begrenzt: Maximal 21 Millionen Bitcoin können jemals erzeugt werden. In einer Welt, in der politische Konflikte wie der Zollstreit das traditionelle Geld entwerten, wirkt dieses Konzept zunehmend attraktiv. Bitcoin kann nicht von Regierungen „gedruckt“ werden, um Haushaltslöcher zu finanzieren oder Handelskriege auszufechten. Diese geldpolitische Neutralität macht es zu einer Art digitalem Gold.
Analysten argumentieren, dass die aktuellen Entwicklungen einer Werbung für Bitcoin gleichkommen. Sollte die US-Notenbank etwa gezwungen sein, angesichts der Zollfolgen wieder verstärkt Geld in die Hand zu nehmen oder die Zinsen niedrig zu halten, wächst das Bewusstsein für die Schwächen unseres schuldenbasierten Fiat-Währungssystems. Das Vertrauen in den US-Dollar als stabile Wertaufbewahrung sinkt, wenn er durch Handelskonflikte an Kaufkraft verliert. Bitcoin hingegen ist auf 21 Millionen Einheiten begrenzt und steht damit symbolisch für Knappheit und geldpolitische Neutralität. Gerade in einem Umfeld, in dem traditionelle Währungen durch Inflation untergraben werden, rückt Bitcoin stärker ins Blickfeld – nicht mehr nur als spekulatives Asset, sondern als potenzieller Wertspeicher in unsicheren Zeiten.
Auch die Märkte scheinen diese Rolle allmählich anzuerkennen. Inmitten jüngster Marktunsicherheiten und eines Rückgangs des Nasdaq-Index zeigt Bitcoin eine bemerkenswerte Resilienz.
Gleichzeitig befeuern Aussagen von Schwergewichten wie Larry Fink, CEO von BlackRock, die Debatte. Er sieht in Bitcoin das Potenzial, den US-Dollar als Reservewährung abzulösen – gerade angesichts der ausufernden US-Staatsverschuldung. Eine provokante These, die dennoch an Gewicht gewinnt.
All das deutet darauf hin, dass Bitcoin zunehmend als Absicherung gegen Marktvolatilität und Währungsabwertung wahrgenommen wird. Die Idee vom „digitalen Gold“ ist längst keine Randnotiz mehr – sie etabliert sich als ernstzunehmende Realität.
Man sieht diese Tendenz bereits in Ländern mit galoppierender Inflation: In Argentinien bspw., das unter einer Inflationsrate von über 100 % leidet, flüchten viele Bürger aus dem Peso in Kryptowährungen, um ihr Erspartes zu schützen. Weltweit suchen institutionelle Investoren angesichts steigender Inflationsraten verstärkt nach alternativen Anlagen, um sich gegen Geldentwertung und staatliche Eingriffe abzusichern. Bitcoin gilt dabei zunehmend als „digitales Gold“: ein Asset, das unabhängig von Zentralbankpolitik ist und dessen Wert nicht durch politische Entscheidungen verwässert werden kann.
Makroökonomische Lektionen und ein roter Faden zur Kryptowährung
Die jüngsten Zollentscheidungen im globalen Handelsstreit haben verdeutlicht, wie eng Politik, Geldwert und Währungen verflochten sind. Politisch motivierte Handelsbarrieren führen zu höheren Preisen und belasten die nationalen Währungen – langfristig spiegelt der Wechselkurs vor allem die Inflationsdifferenzen zwischen den Ländern wider. Am Ende trifft es immer die breite Bevölkerung: Die Bürger bezahlen die Zeche dieser Konflikte, sei es direkt an der Ladenkasse oder indirekt durch schwindende Kaufkraft ihrer Ersparnisse.
In dieser Gemengelage erscheint Bitcoin als spannendes Gegenmodell. Der Handelskonflikt zwischen den Großmächten wirkt wie eine Werbung für die Kryptowährung, weil er die strukturellen Schwächen staatlicher Währungen offenlegt. Während bei Dollar, Euro & Co. zahlreiche Unsicherheiten in die Geldpolitik hineinspielen so wie etwa politische Entscheidungen, Haushaltsdefizite oder Notenbankinterventionen, ist bei Bitcoin von Anfang an klar, wie viele Einheiten es jemals geben wird. Die maximale Menge ist auf 21 Millionen beschränkt, und auch der Emissionsplan ist transparent: Jede Woche, jeden Monat wird mit mathematischer Genauigkeit eine bestimmte Menge an neuen Coins durch das Mining erzeugt(alle 10 Minuten 3,125 BTC). Unabhängig von Wahlzyklen, Zentralbankbeschlüssen oder geopolitischen Spannungen.
Die aktuelle Situation regt zum makroökonomischen Nachdenken an: Währungen sind letztlich nur so stabil wie das Vertrauen, das in sie gesetzt wird. Und wenn dieses Vertrauen durch Handelskriege, politische Willkür oder hemmungsloses Gelddrucken erodiert, wächst die Sehnsucht nach knappen, regelbasierten Alternativen. Jeder neue Zollsatz, jeder zusätzliche Prozentpunkt Inflation ist ein stiller Hinweis darauf, dass Geld mehr sein sollte als ein politisches Instrument – sondern ein verlässliches Wertaufbewahrungsmittel. Bitcoin verkörpert genau diese Idee: geldpolitische Klarheit, Knappheit und Unabhängigkeit in einer zunehmend unsicheren Welt.
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